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ls 1981 in den USA bei über siebzig jungen Patienten ein Kaposi Sarkom bzw. eine Pneumocystis carinii Pneumonie (PcP) festgestellt wurde, war noch nicht erkennbar, dass damit eine globale Epidemie begonnen hatte.

Bei den ersten Patienten war auffällig, dass durchgängig junge, homosexuelle Männer betroffen waren, später kamen auch Bluter-Kranke und intravenös Drogenabhängige hinzu. Bei allen wurde eine charakteristische Immunschwäche diagnostiziert. Das Center for Disease Control (CDC) in Atlanta definierte das Zusam­mentreffen bestimmter Krankheitszeichen bereits 1982 als Syndrom einer erworbenen Immunschwäche, engl. Aquired Immune Deficiency Syndrome (AIDS).

Ein Jahr später wurde aus dem Blut der Erkrankten ein Virus isoliert, das als Ursache von AIDS angenommen und Human Immunodeficiency Virus (HIV) genannt wurde. Im Jahr 1982 wurden die ersten AIDS-Fälle in Deutschland von der Arbeitsgruppe um Herrn Prof. W. Stille und Frau Prof. E. B. Helm an der Frankfur­ter Universitätsklinik beschrieben.

Die Infektionsambulanz im Universitätsklinikum Frankfurt am Main hat daher eine besondere Bedeutung für die Behandlung und Versorgung von HIV- und AIDS-Patienten. Von 1982 bis 1987 wurden die ersten HIV-Patienten in den Räumen der Medizinischen Poliklinik behandelt.

Im Jahr 1987 wurde aufgrund stark zunehmender Patientenzahlen eine eigene Ambulanz im Haus 68, dem heutigen HIV-Center, zur Behandlung und Betreuung von Patienten mit HIV und AIDS eingerichtet. Anfänglich wurden durchschnittlich zehn Patienten täglich von zwei Ärzten und zwei Krankenschwestern behandelt und versorgt. In der Infektionsambulanz fand zu dieser Zeit auch die erste anonyme AIDS-Beratung des Stadtgesundheitsamtes statt. Die ersten Therapiestudien in der Infektionsambulanz verglichen bereits 1987 die Gabe von AZT versus Placebo und untersuchten die Wirkungen einer Intervalltherapie mit AZT. Weitere Fortschritte in der Behandlung zeigten sich in dieser Zeit mit der Einführung der Inhalation mit Pentamidin gegen das Auftreten einer PcP.

Die wissenschaftliche Leitung der Arbeitsgruppe Infektiologie in der Medizinischen Klinik III lag bis Ende 2000 bei Herrn Prof. W. Stille und Frau Prof. E.B. Helm. Für ihre bedeutenden Forschungsarbeiten im Bereich antiretroviraler Therapie und Diagnostik der HIV-Infektion haben Herr Dr. med. S. Staszewski und Frau Dr. rer. nat. V. Miller den Deutschen AIDS-Forschungspreis 1996 erhalten. Heute werden am HIV-Center weiterhin viele internationale, aber auch lokale Studien (sogenannte „Investigator initiated trials") zur Behandlung von HIV, aber auch von Koinfektionen wie z. B. Hepatitis C durchgeführt.

Im Rahmen der Patientenversorgung haben sich eine Reihe von Spezialsprechstunden und Schwerpunkte herausgebildet. So ist das HIV-Center eines der führenden Einrichtungen zur Behandlung von HIV-infizierten, schwangeren Frauen geworden. Darüber hinaus besitzt das HIV Center große Erfahrungen in der Behandlung von HIV Patienten mit Tumorerkrankungen.

Im Rahmen der langjährigen Behandlung von HIV-infizierten Menschen wurden am HIV Center innovative Betreuungskonzepte eingeführt. So wird seit mittlerweile 15 Jahren erfolgreich Patientenschulungen am HIV Center Frankfurt durchgeführt. Der jährliche Tag der offenen Tür sowie die Therapiewechselsprechstunde am HIV Center sind ebenfalls zu anerkannten und festen Größen der Patientenversorgung geworden, und das schon seit vielen Jahren.

Bundesweit ist die Ambulanz eine der größten Spezialambulanzen zur Behandlung von Menschen mit HIV und AIDS geworden. Für die Stadt Frankfurt, das Rhein-Main-Gebiet und darüber hinaus für das Land Hessen ist die In­fektionsambulanz eine zentrale medizinische, pflegerische und psychosoziale Forschungs- und Versorgungseinrichtung. Pro Woche kommen durchschnittlich 250 Patienten zur Behandlung.


Quelle:

Horst Herkommer
Kompaß HIV und AIDS
Ein Handbuch für Betroffene und Berater
2. Auflage, 2000